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Der Traum ist ein Haus - Zu Entstehung der Berliner-Neonazi-Kampagne Jugend braucht Perspektiven

Am 6. Dezember 2008 marschierten rund 800 Neonazis in Berlin-Lichtenberg fr die Schaffung eines nationalen Jugendzentrums, fr das sie in der Hauptstadt schon seit 5 Jahren im Rahmen der Kampagne Jugend braucht Perspektiven demonstrieren.

Von Manuela Mller

Mit mehreren Infostnden, Aufklebern und Plakataktionen in poppigem Design mobilisierten die Freien Krfte Berlin seit August bundesweit fr den Aufmarsch 2008, der von ca. 1000 GegendemonstrantInnen begleitet wurde, obwohl deren Proteste im Vorfeld verboten und durch Wasserwerfer aufgelst wurden. Die Vielzahl an Autonomen Nationalisten steigerte das Aggressionspotential des neonazistischen Aufmarsches merklich. Steine flogen, PolizistInnen wurden angegriffen, die Presse sprach von Straenschlachten zwischen Neonazis, GegendemonstrantInnen und der Polizei.
Neben den Rednern Jrg Hhnel (NPD-Landesvorsitzender Berlin), Michael Schfer (JN-Bundesvorsitzender) und Thomas Vierk (NPD-Abgeordneter BVV Neuklln), berichtete der Jeugd-Sturm-Aktivist Alwin Walther, als Vertreter der Autonomen Nationalen Socialisten Den Haag (ANS/NSA Den Haag), ber eine Hausbesetzung in der niederlndischen Stadt Monster. Zum Ende des Aufmarsches sprach Sebastian Schmidtke zu der Schicksalsgemeinschaft erfolg- und obdachloser Freiraum-Nationalisten und forderte erneut ein nationales Jugendhaus.
Bereits 2003 stellte der Ex-NPD-Funktionr und Grnder der Berliner Alternative Sd-Ost (BASO) Ren Bethage die Forderung nach einem nationalen Jugendzentrum. Wie dieses aussehen knnte, zeigte sich, als einen Monat spter der Neonazitreffpunkt Wolfschanze entdeckt wurde. Nur zufllig bemerkte eine Nachbarin im Berliner Bezirk Treptow-Kpenick, dass ihr Strom abgezapft und sie unfreiwillig Sponsorin der mit Hakenkreuzen bersten Kellerlokalitt wurde.
Was folgte war der erste Aufmarsch der BASO am 6. Dezember 2003 unter dem Motto Freirume schaffen - Nationale Zentren erkmpfen. Formiert zu einem ersten NS-Black-Block, fielen schon damals die vielen Jugendlichen in den Reihen der Neonazis auf.

Allzeit gewaltbereit

Nicht nur mit Aufmrschen versuchte der selbsternannte Sozialarbeiter Bethage sich um die Politisierung und Kriminalisierung der Jugendlichen zu kmmern. Dies beweisen die symbolischen Hausbesetzungen in Berlin Lichtenberg im Sommer 2004. Was fr Bethage Erziehung zu einer nationalen Gesinnung heit, zeigt sich an zahlreichen Gewaltaktionen, wie dem berfall eines linken Infotisches in Neuklln 2006.
Bethages geistiger Ziehsohn Markus Loszczynski (21, ehem. Vize-Bundesvorstand der JN) lernte schon frh bei ihm wie der Kampf um die Strae und Kpfe funktioniert. 2004 schlug er mit zwei anderen Neonazis einen vietnamesischen Imbissbesitzer mit einem Kantholz fast zu Tode. Loszczynski kam mit einer Bewhrungsstrafe davon. Auf zahlreichen brgerlichen Veranstaltungen versuchten er und Bethage, sich als Retter der heimatlosen Jugend zu inszenieren, die im Sinne der Gemeinntzigkeit ein Zentrum fr sie aufbauen mchten. Ihre Plne, einen Verein zu grnden, um ihr Projekt von staatlichen Mitteln zu finanzieren, scheiterte klglich.

Das Boot ist noch lange nicht voll

Mit dem Verbot der BASO, der Kameradschaft Tor und ihrer Mdelgruppe im Nachgang des Aufmarsches vom Dezember 2004 strukturierte sich die Berliner Neonazi-Szene um, viele AnhngerInnen liefen zur JN und NPD ber und das offene Label Freie Krfte Berlin bzw. Autonome Nationalisten Berlin (ANB) etablierte sich. Die personellen Verbindungen frherer und heutiger rechter Strukturen knnen erklren, warum in Berlin NPD-Funktionre und die extrem rechte Szene kaum von einander zu unterscheiden sind. Um engagierten Nachwuchs kmmerte sich Bethage weiterhin, bestes Beispiel ist Sebastian Schmidtke (23), der seit 2005 Anmelder des nunmehr fast schon traditionellen Dezembermarsches unter dem Motto Jugend braucht (wieder) Perspektiven ist. Seit 2006 beteiligt sich auch die NPD an der Kampagne und untersttzte den Aufmarsch im Dezember 2006 mit prominenten Rednern, wie Udo Voigt (NPD Bundesvorsitzender, BVV Treptow-Kpenick). Dennoch kamen nur 160 Neonazis in den Berliner Sdosten.
Vielversprechender verlief das darauf folgenden Jahr, als Jrg Hhnel im Januar 2007 einen Antrag fr ein nationales Jugendzentrum in der Berliner Verordnetenversammlung (BVV) Lichtenberg stellte. Um die Kampagne weiter am laufen zu halten, mobilisierten fr den 1. Dezember 2007 die Freien Krfte mit NPD-Untersttzung 600 Neonazis.
Parallel dazu diente der nunmehr zweite Aufmarsch unter gleichem Motto am 4. Oktober 2008 in Knigs Wusterhausen zur Strkung der NPD-Strukturen in Brandenburg. Neben dem NPD-Ortsbereichsvorsitzenden Michael Thalheim redeten Udo Pastrs (NPD-Mecklenburg Vorpommern), Ronny Zasowk (NPD Lausitz) und Sebastian Richter (JN-Landesvorstand Sachsen) zu den 230 anwesenden Neonazis, die nur knapp die Anzahl an prsenten GegnerInnen bertrafen. Eher stiefvterlich behandelte indes Sebastian Richter den Export der viel versprechenden Berliner Aufmarsch-Tradition nach Knigs Wusterhausen. Fr die Brandenburger Kameraden war eine gekrzte und kopierte Variante seiner Rede aus dem Vorjahr in Berlin gut genug. An der Situation der Jugend scheint sich zumindest nichts verndert zu haben, denn wie er sagt, fhren hierzulande Jugendliche immer noch ein Leben zwischen Alkohol, Pornografie und Ich-Sucht, zwischen Einsamkeit, Multikultiwahn und [...] kapitalistischer Ausbeutung.
Einem nationalen Jugendzentrum wirklich nher gekommen sind sie bisher nicht. Sebastian Schmidtke erklrte in einem Interview fr seine eigene nationalistische Flugschrift Berliner Bote, dass momentan noch Spendengelder fehlen, aber bereits auf Zwangsversteigerungen Ausschau nach einem geeigneten Objekt gehalten wird. Hoffen wir ihr Traum vom nationalen Jugendhaus wird ein Luftschloss bleiben.







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