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Zuckerbrot und Peitsche Flugblatt 26.11.2011

Nach langem Ringen ist es nun soweit. Das Land Brandenburg und die Stadt Potsdam haben mit dem Stadtschloss in der Potsdamer Mitte ein Symbol feudaler Herrschaft, als neuen reprsentativen Ort fr das brandenburgische
Parlament, hingeklotzt. Die eilig zusammen gegossenen Tonnen aus Beton und Stahl, stellen jedoch nicht nur eine architektonische Pseudo-Rekonstruktion der Potsdamer Innenstadt dar, die mglichst idyllisch wie im Mrchenbuch preuischen Hobbyfanatikern von Nah und Fern den Salamander reiben soll. Nein, sie sind vielmehr ein ideologisches Konstrukt, das sich das schmierig, reaktionre und offensichtlich korrupte Potsdamer Gro- und
Kleinbrgertum nach der Wende ber die Jahre zusammengebastelt hat.

hnlich des Baukastenprinzips ihres Preuenschlsschens, basteln sie sich ein Geschichtsbild zurecht, in welchem die deutsche (vor allem preuische) Geschichte in hellem Glanze erstrahlt. Es wird sich ein aufgeklrtes und tolerantes Preuen herbei halluziniert, das mit frischem Glanz und alten Tugenden positive Bezugspunkte fr die lokale, regionale und zuletzt auch nationale Identittsstiftung liefert. Dass es jedoch mit der Aufklrung nicht sehr weit her war, zeigt ein Blick in Geschichtsbcher, die nicht vom Land Brandenburg herausgegeben und editiert werden. Denn das, was heute als preuische Tugend verwertet wird, ist historisch in einem militaristischen Staatsgebilde entstanden. Die Armee war in Preuen nicht der Staat im Staate, sondern sie war der Staat; und der preuische Unteroffizier, als Trger ebendieser militrischen Eigenschaften, war die bestimmende Instanz des zivilen Lebens. Dabei wurden die Untertanen durch stetige Androhung von Gewalt und Strafe dazu gezwungen, dieses mnnerbndische System zu untersttzen. Preuen ist der Inbegriff der Kategorisierung von Menschen anhand von Tauglichkeit und Wehrhaftigkeit. Diese, dem Militr typische Unterscheidung, bildet dementsprechend auch heute noch eine Demarkationslinie fr die unterwrfigen Staatsbrger_innen, anhand derer die Feinde der Nation beliebig neu definiert werden knnen. Denn die Abgrenzung gegen das vermeintlich Andere bildet die Grundlage fr nationale Identitt.

Die Friedhofsruhe und gewaltttige Ordnung welche in Preuen herrschte, muss als das Idealbild einer Potsdamer Lumpenbourgeoisie gelten, die sich in Bezirken mit hoher Altbau- und Villendichte verschanzt, und die weniger
Verdienenden (durch Selbstverschuldung, offener gesagt: Faulheit so der ideologische Konsens) gerne an den Rand der Stadt, bei den Shopping-Centern und den 1-Euro Lden drngen. Willkommen sind sie hchstens als
billige Arbeitskrfte in den Geschften und Edelboutiquen; in der Innenstadt zu wohnen ist fr sie unerschwinglich. Denn im Kapitalismus kann die Befriedigung noch der elementarsten menschlichen Bedrfnisse (Essen, Wohnen etc.) nur warenfrmig erfolgen. Das fhrt dazu, dass nicht brutaler physischer Zwang, sondern die unsichtbare Hand des Marktes, die freie Wahl lsst zwischen bezahlbarem Wohnraum und unbezahlbarem. Folgerichtig ist diese
Wahl keine freie, sondern es herrscht reinster konomischer Druck, wenn sich Menschen aufgrund der Mietpreise entschlieen, Potsdam West zu verlassen und nach Waldstadt zu ziehen. Durch die kommerzielle Vermarktung der
stdtischen Grundstcke werden systematisch gnstiger Wohnraum und Orte des ffentlichen Lebens vernichtet. Beispielhaft wren hier, der bereits vollzogene Abriss des Haus des Reisens, welches durch ein Bankgebude in
preuischer Gestalt ersetzt werden soll. Der geplante Abriss der Schwimmhalle auf dem Brauhausberg und Neubaus im reicheren Norden. Der Abriss des Staudenhofes mit seinen gnstigen Wohnungen und der Fachhochschule am
Alten Markt...

Was aus dieser ideologischen und kapitalistischen Umstrukturierung der Stadt folgen wird, ist ein steriler Raum, geteilt in eine hinter altpreuischen Fassaden hausende brgerliche Klasse, und einer, in den Randbezirken verbleibenden, Arbeiter_innenklasse. Zu feierlichen Anlssen wie dem heutigen Richtfest sollen sie, dann aber doch, mit Lasershow und Bierwagen gelockt werden. Getreu der Bismarckschen Maxime Zuckerbrot und Peitsche will sich das Potsdamer Kleinbrgertum in die Herzen der an den Rand gedrngten Potsdamer_innen einkaufen. Diese haben geflligst zu fressen was ihnen vorgesetzt wird.







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