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"Die ganze Scheie hat System." Redebeitrag Mietenstopp-Demo 2.6.2012

Die ganze Scheie hat System.
Das System heit Kapitalismus.


Wir wissen alle weshalb wir heute hier sind. Wohnen in Potsdam ist extrem anstrengend.
Das Durchsanieren von Wohnkomplexen nach kapitalistischen Gesichtspunkten, steigende Mieten und die damit verbundene stndige Suche nach bezahlbaren Wohnungen das ist der Kreislauf in dem wir alle stecken. Leisten knnen sich das Wohnen in Potsdams schner Mitte nur die Wenigsten, damit die Innenstadt immer schicker werden kann, mssen viele an den Rand der Stadt ziehen. Auch wenn sich diese Entwicklung super mit dem Preuenwahn in dieser Stadt vereinbaren lsst, liegen die Ursachen woanders und betreffen natrlich nicht nur diesen Ort...

Jede Stadt so auch Potsdam unterliegt konkreten konomischen Zwngen. Die Stadtverwaltung muss die Stadt so einrichten, dass diese fr Unternehmen und Investor_innen attraktiv ist. Denn ohne Unternehmen keine Gewerbesteuer. Das heit: die Stadt braucht ein Profil, ein Image im Falle Potsdam heit das: Schne Fassaden im Preuenlook, viele Marinas fr das eigene Btchen, nette Cafs, schne Kirchen: Fun Kultur Wissen. Diese Ideologie, die widerstndige Mieter_innen und preiswerte Ecken eher ungern sieht, ist selbst nur ein Produkt konkreter konomischer Zwnge.

Wohnungen sind in unserer Gesellschaft eine Ware, genauso wie Brtchen, Autoreifen und Hornhautschwmme. Sie werden gebaut, verkauft, vermietet des Geldes wegen, nicht aus Menschenliebe oder aus dem dringenden Bedrfnis neuen Wohnraum zu schaffen. Es geht nicht um die Lebensqualitt der Menschen, sondern darum ob eine Investition sich lohnt. Die Interessen der Mieter_innen sind dabei nur zweitrangig, sofern sie nicht gleich hinten runter fallen. Und obwohl es aus Sicht der Stadt notwendig erscheint gengend Wohnraum bereit zu stellen, da mit einer hheren Einwohner_innenzahl mehr Frdergelder vom Bund winken, ist die Umsetzung des Wohnungsbaus zumeist in privat-kapitalistischer Hand. Das heit, dass die betreffenden Unternehmen berechnen und kalkulieren auf welche Weise sie mit so wenig Aufwand wie mglich die grtmglichen Gewinne erzielen knnen.

Dieses stndige Berechnen von Kosten und Nutzen, Interessendurchsetzung hinter dem Rcken anderer, ab und an mal Zugestndnisse machen, im groen und ganzen jedoch nur an die eigene
Geldbrse denken. All das ist kein individueller Charakterzug irgendeines Spekulanten, dass sind
notwendige Verhaltensweisen die ein kapitalistisches System braucht und frdert.

Denn genauso wie eine x-beliebige Arbeiterin sich mehr anstrengt und die Ellenbogen ausfhrt, wenn sie um ihren Job bangen muss, genauso muss ein sog. Immobilien-Hai schauen wie er schneller, besser, effektiver in seinem Feld wird, damit ihm andere nicht die Profite wegschnappen. Das ist Kapitalismus und nicht das vermeintlich gierige Verhalten einzelner. Im Kapitalismus findet sich der immer gleiche Widerspruch: Dem Kufer einer Ware geht es um Qualitt und Bedrfnisbefriedigung, die Verkuferin hingegen denkt nur ein ihren zu erzielenden Profit. Solange Wohnrume abhngig sind von den Interessen anderer und nicht nur von denen ihrer Bewohner_innen wird es immer wieder zu Konflikten kommen. Und zwar nicht weil die Menschen nun mal so sind, sondern weil es diese Gesellschaftsform nicht anders zulsst. Menschen werden von den Verhltnissen in denen sie leben mehr als nur geprgt. Was unsere Umgebung uns als Kind vorlebt, was wir spter aus dem sozialen Umfeld mitnehmen, sind vermittelte Erfahrungen des Kapitalismus. Alles ist davon geprgt, kein Verhltnis ist davon frei. Keines.
Und so ist der konkrete Immobilienhai oder der aktuelle Oberbrgermeister, mgen sie nun Kirsch und Drechsler oder Jakobs und Platzeck heien vermutlich ein Arschloch. Aber nur Arschlcher kommen in genau diese Funktion. Es sind nicht die lieben, netten, rcksichtsvollen, sozial handelnden Menschen, die in solche Funktionen kommen. Aber es ist ein Trugschluss aus den Arschlochqualitten der sogenannten Entscheider abzuleiten, dass es anders ginge mit anderen Entscheidern. Das System Kapitalismus braucht diese Arschlcher und bringt sie en masse hervor und diese wiederum stabilisieren das System.

Der Ausweg aus dieser Misere kann fr uns nur die Abschaffung von fremdbestimmten und kapitalistischen Wohnraum selbst sein. Der erste Schritt auf dem langen Weg dorthin liegt hinter uns. Hier auf dieser Demonstration sind viele Menschen zusammengekommen. Nun kommt es darauf an aus diesem Zeichen, dem erhobenen Zeigefinger eine Faust zu machen. Wir bauen darauf, dass aus dieser Demonstration mehr hervorgeht als eine Schlagzeile in den Lokalblttern. Um dies zu erreichen mssen viele Menschen sich austauschen ber ihre Wohnverhltnisse, ber zu hohe Mieten, ber zu geringe Lhne, ber miserable Arbeitsbedingungen und all die anderen Alltglichkeiten, die uns das Leben schwermachen. Damit nicht jede und jeder sich allein mit seinem Vermieter oder seiner Arbeitgeberin auseinandersetzen muss, sondern wir gemeinsam eine radikale Vernderung der Verhltnisse bewirken.







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