akantifapotsdam





Hausbesetzung in Potsdam


PM [26.12.2011]
Hausbesetzung in Potsdam
Pressemitteilung zur heutigen Besetzung in der Stiftstrae 5


Quelle: Die Heimkinder
Druckversion
26.12.2011

Kategorien:
Antifa
Potsdam
Kulturelles
Law & Order
arbeit & soziales

Wir haben heute ein Haus in der Stiftstrae 5 in Potsdam besetzt, um auf ein Grundproblem in dieser, aber auch in vielen anderen Stdten aufmerksam zu machen und weil wir einen gemeinschaftlichen Wohnraum suchen.

Neuigkeiten bekommt ihr bei Twitter "die_heimkinder" gezwitschert: https://twitter.com/die_heimkinder (Gezwitschert wird seit 27. Dezember hier: https://twitter.com/#!/DieHeimkinder)

In Potsdam steigen die Mieten seit Jahren kontinuierlich an. Die Innenstadt und die durchsanierten Stadtviertel wie Potsdam-West, Babelsberg oder die Nauener Vorstadt sind fr Geringverdienende, Studierende, RentnerInnen oder Menschen die mit Hartz IV leben mssen fast unbezahlbar geworden. Ein Groteil der alteingesessenen Bevlkerung hat in den letzten Jahren diese Viertel bereits verlassen mssen und fr die Verbliebenen wird der Druck immer grer.
Gleichzeitig ziehen viele besserverdienende Menschen ins schne grne Potsdam und tragen damit zu den berhhten Mieten bei. Dass diese Stadt fr einige immer attraktiver wird, wird so fr viele andere Menschen zum Problem.

Die einseitig betriebene Stadtumstrukturierung hat dazu gefhrt, dass Potsdam zu einer prestigetrchtigen Vorzeige-Stadt fr Touristen und Besserverdienende geworden ist. Menschen, die nicht mehr in dieses Stadtbild passen, werden in die Randgebiete und Plattenbausiedlungen abgedrngt. Doch sogar dort steigen die Mieten immer weiter an, so dass Potsdam in den letzten Jahren zu einer der Stdte mit dem teuersten Wohnraum in Ostdeutschland geworden ist. Die zynischen Vorschlge, doch in eine andere Stadt zu ziehen wenn man sich die Miete hier nicht mehr leisten knne, kommt meist von denjenigen, die von solchen existentiellen Problemen nicht betroffen sind.

Was sind die Folgen?
In Potsdam fhrten Mietschulden im vergangenem Jahr zu rund 500 Wohnungskndigungen und 150 Zwangsumzgen. Tendenz steigend. Was der Verlust der Wohnung und der damit verbundene Verlust eines Schutz- und Rckzugsraums bedeutet, sollte jedem klar sein.
Ausreichender Wohnraum fr eine individuelle Wohnungswahl in der Stadt ist knapp und fhrt zu einem sehr angespannten Wohnungsmarkt- lediglich etwa 2% der Wohnungen stehen leer (neben der nicht unerheblichen Anzahl leerstehender Huser auerhalb des Wohnungsmarktes, die grtenteils Spekulationszwecken dienen).
Am Schlimmsten ist die Lage auf dem sozialen Wohnungsmarkt, wo sich 2010 die Zahl der Wohnungen mit Mietpreis- und Belegungsbindungen halbierte. In Zahlen heit das: fr 157.000 Einwohner existieren nur etwa 1300 Wohnungen mit sozialen Mietpreisen. Das sind 1,5% von insgesamt etwa 84.000 Wohnungen. Tendenz fallend.

Es gibt unzhlige geplante oder bereits realisierte Wohnungsneubauten, welche jedoch wenig bis gar nicht sozial orientiert und an die Bedrfnisse der BewohnerInnen dieser Stadt angepasst sind. Wir reden hier von zentral gelegenen Wohnungen und Eigentumswohnungen wie im Semmelhack-City-Quartier am Bahnhof, in der Speicherstadt oder von Bebauungsplnen auf dem Brauhausberg, deren Mieten oder Kaufpreise sich nur Besserverdienende leisten knnen.

Das alles ist bittere Realitt in Potsdam. Die Betroffenheit von Politik und High Society ist gespielt und unglaubwrdig, da diese Entwicklungen seit Jahren begnstigt werden.

Wir leben gerne in dieser Stadt, doch egal wie viel wir schuften: Die Schmerzgrenze ist erreicht! Wir mssen einen Groteil unseres Einkommens fr Miete berappen. Aus eigenen Erfahrungen wissen wir, wie es ist, trotz Arbeit die Miete nach einer Sanierung nicht mehr zahlen zu knnen.
Das Gefhl der zermrbenden Ungewissheit ist ein stndiger Begleiter geworden. Das immer wiederkehrende Kommentar Wer es sich nicht leisten kann, muss halt wegziehen ist fr uns definitiv keine Alternative, da wir uns nicht auf Kosten von Prestige und Kapital aus unserem sozialen Umfeld vertreiben lassen.

Und was knnen wir tun?
Uns den Wohnraum einfach nehmen, indem wir ein seit einigen Jahren leerstehendes und ungenutztes Haus besetzen und damit zeigen, dass es so nicht weitergeht. Das Haus in der Stiftstrae gehrt der Diakonie und wurde zuletzt als Altenheim genutzt. Nun steht es leer, obwohl es in bestem Zustand ist und sofort genutzt werden knnte. Die Logik, die in Potsdam normal ist, nmlich Huser trotz des angespannten Wohnungsmarktes leer stehen zu lassen, um sie spter ohne Probleme (also ohne Mieter) weiternutzen zu knnen, macht auch vor der kirchlichen Einrichtung Diakonie nicht halt. Whrend andere die Stadt verlassen, weil sie sich Potsdam nicht mehr leisten knnen, spielen Immobilienbesitzer alle das gleiche Spiel. Was wre also ein besserer Termin als Weihnachten, um die Diakonie an ihre soziale Verantwortung zu erinnern. Nicht, dass uns dieses Fest besonders viel bedeuten wrde, wir sind aber der Meinung, dass an manchen Stellen die Lge zwischen Schein und Wirklichkeit der kirchlichen Moral besonders offensichtlich wird und deswegen besetzen wir dieses Haus genau zu Weihnachten. berhaupt ist es ein guter Termin, um den moralischen Druck auf diejenigen zu erhhen, die mit Argumenten potentiell erreichbar sind, die Stadt zum Beispiel, oder eben die Diakonie. Immobilienanbieter wie Semmelhack, Kirsch und Drechsler oder Wittfoth funktionieren nach rein kapitalistischer Logik, denn sie kaufen billig und verkaufen teuer, ihnen kann man hchstens hrtere Regeln, was Mietobergrenzen angeht, aufzwingen. Wer von den politisch Verantwortlichen wrde das aber wirklich wollen? Wenn wir uns anschauen, wer hier geradezu paradiesische Verhltnisse fr Immobilienhaie geschaffen hat, wer seit Jahren gute Geschfte mit wem macht und wer bei Empfngen und Partys der Stadt Potsdam mit wem Sekt trinkt, so wird sich auf politischer Ebene in naher Zukunft wohl eher nichts ndern.

Weltweit erheben sich immer mehr Menschen, um gegen die erdrckenden Zustnde zu kmpfen. Sie erkennen, dass die Selbstermchtigung der Schlssel zu Vernderungen ist. Darauf zu warten,dass die da oben was an den Zustnden ndern werden, ist naiv. Warum sollten diejenigen das System ndern wollen, die davon am meisten profitieren?

Wir haben dieses Haus bezogen, um hier unsere Vorstellungen des Zusammenwohnens zu verwirklichen. Wir werden unser neues Zuhause in Anlehnung an die vorherige Nutzung Das Heim nennen und wie sollte es anders sein, sind wir dann folgerichtig alle Heimkinder.
Wir sind gekommen, um zu bleiben!

Wir fordern die Rcknahme der Pachtzinserhhung fr die betroffenen
Wohnprojekte in Potsdam!

Wir fordern den bedingungslosen Erhalt ALLER bestehenden Projekte, wie die Wagenburg Hermannswerder und La Datscha!

Wir fordern eine Stadt in der wir alle leben knnen!
Quelle: inforiot.de
    







ak_antifa potsdam
hosted by antifa.cc: antifa webhosting