akantifapotsdam




Redebeitrag des ak_antifa_potsdam auf der "Refugees welcome"-Demonstration

->

Rassismus ttet - ber den Zusammenhang von Kapitalismus und Rassismus


An den allmontglichen PEGIDA Demonstrationen spalten sich die Geister und erzrnen sich die Gemter. Die einen nehmen diffuse Sorgen und ngste der Deutschen wahr, andere bangen um den Ruf ihrer Nation als weltoffen und tolerant und wieder andere beschwren den groen Nutzen von Vielfltigkeit fr die Wirtschaft und sind fr jede Bereicherung zu haben. Was diese Standpunkte eint ist die Sorge um die Nation und dass sie allesamt mit rassistischen Zuschreibungen arbeiten.

Kapitalismus beruht sowohl auf der Konkurrenz zwischen einzelnen Individuen, als auch auf der Konkurrenz zwischen Staaten um die beste Ausgangsposition auf die Verwertung des heimischen Staatsvolkes. Diese Konkurrenz muss zwangslufig Verlierer*innen hervor bringen. Dies beweist ein simpler Blick in die Zeitung: die einen Staaten sind oben auf, beweisen Strke und treffen Entscheidungen welche die Geschicke der ganzen Welt bestimmen, andere hingegen sind nicht mehr reproduktionsfhig, tendieren zur vlligen Entstaatlichung und zerfasern nicht zuletzt in Brger*innenkriegen. Dieser Prozess wird ideologisch flankiert durch das Gerede von falschen Entscheidungen, falscher Arbeitsmoral, falscher Lebensfhrung, Faulheit. Mittels solcher Zuschreibungen erscheint das Herausfallen aus der Konkurrenz nicht als das was es ist, nmlich als die komische Herrschaft der fhrenden kapitalistischen Staaten ber die unterlegenen. Sondern die Tatsachen werden vllig verdreht: Die unterworfenen Staaten seien selbst an ihrem Elend Schuld, da ihr Staatsvolk schon rein kulturell und biologisch keine Schlacht auf den Mrkten der Welt gewinnen knnen. Das Scheitern in der kapitalistischen Konkurrenz habe also seinen Ursprung in vermeintlich natrlichen Merkmalen, wie Abstammung und Geschlecht und der damit verbunden Unfhigkeit produktiv zu sein. Sie seien Natural Born Losers.

Die eigene, deutsche Position in der Konkurrenz um Ressourcen und Selbstverwertung ist Ihnen eine feststehende, eine die sich nicht so einfach umkehren kann. Wir als Deutsche seien nun mal arbeitswilliger, technisch begabt und Bla Bla Bla. Deshalb werden wir als Deutsche niemals in der gleichen Misere stecken wie die sogenannten Pleite-Griechen oder gar in einem Brgerkrieg versumpfen. Davor schtzte uns angeblich, nun ja, das Deutsch-sein. Und das, obwohl dies ein fundamentaler Widerspruch zu dem ist, was alle hier Lebenden tagtglich erfahren. Dauer-haft bedroht von Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg merken die autochthonen Deutschen ebenso, dass es mit der nationalen Identitt nicht weit her ist. Sie schtz nur ungengend vor den Widrigkeiten des Marktes und kann die sich widersprechenden Interessen der konomi-schen Subjekte nicht zusammenhalten. Die Gemeinschaft des Volkes war schon immer eine Ideologie, vor allem unter den Bedingungen der Klassengesellschaft. Sie mndet stets in Unterdrckung und Ausbeutung.

In diese ideologische Projektion einer Gemeinschaft des Volkes dringen nun diejenigen ein, die nicht einmal das basale Deutsch-Sein fr sich verbuchen knnen. Zu abertausenden nehmen sie eine Tortur auf sich, um am Wohlstand der Volksdeutschen partizipieren zu knnen. Dass dieser Wohlstand auch auf der Zurichtung der Welt entlang deutscher wirtschaftlicher Bedrf-nisse beruht, ist eine nicht weiter erwhnenswerte Nebenschlichkeit fr unsere Volksdeutschen.

Fr die Masse der Menschen aus den weltweiten Zusammenbruchsregionen stellt sich das Problem nun so dar: Wer in einer Gesellschaft, in der das Mittel zu Bedrfnisbefriedung nun mal das Geld ist, seine Arbeitskraft nicht gegen Geld eintauschen kann, ermangelt der ntigsten und grundlegenden Gter. Dem zu entkommen bedeutet einen Ort aufsuchen, an welchem der Umtausch von Geld gegen Arbeitskraft gesichert zu sein scheint. Kommen die objektiven Bedin-gungen der Produktion nicht zu mir, so muss ich eben zu ihnen, so die einfache Rechnung. Wenn also in der deutschen ffentlichkeit turnusmig die Anwesenheit von Kapital und Produktivkraft gefeiert wird und eine Exportweltmeisterschaft die andere ablst, liegt darin gleich-zeitig der Stolz auf die Abwesenheit derselben in anderen Regionen der Welt. Damit ist das Ge-heimnis der Konkurrenz ausgesprochen: Wir haben gegen euch gewonnen und dieser Sieg ist obendrein unser natrliches Recht. Mit stolzgeschwellter Brust, begegnet man den vor diesem Missverhltnis Geflchteten mit einem grokotzigen Verweis auf die vermeintliche deutsche Willkommenskultur, die ja schon bereit sei ihnen ihre prekre Existenz zu sichern, sich allerdings vor Missbrauch schtzen msse. Mit anderen Worten: Wir knnen nicht alle Retten -- Verlierer gehren nun mal dazu, dort wo es Gewinner gibt findet euch geflligst damit ab, so die herrschende Ansicht.

Um sich aus der Schusslinie etwaiger Kritik an einer durchweg rassistischen Asylpolitik zu bewegen, werden gerne Rechnungen angestellt, was der Flchtling im Einzelnen koste und ntze. Allein aus finanziellen Erwgungen, so hren wir aus Medien und von der Politik, wre eine zu groe Einwanderung eine Belastung des Staatshaushaltes, die er nicht stemmen knne -- vom sogenannten Clash of Cultures ganz zu schweigen. Die Geflchteten haben sich somit an der Messlatte der Produktivitt zu beweisen. Und selbst das wird ihnen durch rassistische Strukturen und Denkweisen nahezu verunmglicht, so sie es denn berhaupt nach Europa oder gar Deutschland schaffen. Denn hier tritt ihnen eine grundstzliche Ungleichwertigkeit ihrer Arbeitskraft entgegen. Anhand biologischer Merkmale wird die Leistung nicht genuin kartoffel-deutscher Menschen herabgewrdigt. Sie mssen sich, falls sie berhaupt die Chance dazu be-kommen, in sehr viel grerem Ausma behaupten und auf ihre Ausbildung und Fhigkeiten verweisen. Dies widerspricht nun aber den grundlegenden Regeln des Kapitalismus knnte man meinen. Auf dem Markt entscheidet ja angeblich die reine Konkurrenz. Lediglich die bessere Leistung soll ausschlaggebend sein fr eine Kaufentscheidung ob nun fr ein Doppelbett, ein neuen Dackel oder eine weitere Arbeitskraft fr das Unternehmen.

Im Kapitalismus seien erst mal alle Menschen gleich, heit es. Wie weit her es mit der Gleichheit ist, beweist ein Blick auf die Bedingungen unter denen Illigalisierte und zumeist geflchtete Menschen schuften mssen. Nicht einmal das offizielle und legale Ausbeutungsverhltnis steht ihnen zu. Ihre gesellschaftliche Position als Abhngige von der Gunst staatlicher Kontrollsyste-men ist ihnen bis in die Gene eingeschrieben. Und so rum wird ein Schuh draus: vor der Bewer-tung und Verwertung der Arbeitskraft wird rassistisch aussortiert. Das knnen, wollen und wer-den die 25.000 durch Dresden marschierenden PEGIDA-Anhnger*innen und ihre Apolo-get*innen niemals nicht verstehen.

Diese sogenannte Bewegung kam nicht aus dem Nirwana ins reale deutsche Leben. Sie wurde politisch genhrt durch das jahrelange Bemhen von rassistischen Stereotypen um Verlierer*innen innerhalb der kapitalistischen Konkurrenz zu beschreiben und eben um sich von ihrem Schicksal abzugrenzen als etwas, dass uns Deutschen nicht drohe. Erinnert sei hier an die sogenannten Pleite-Griechen deren ausschweifender, luxuriser Lebensstil mageblich zu ihrem Staatsbankrott beigetragen habe, oder an die Debatten um Geflchtete aus den Staaten des westlichen Balkans die letztendlich wieder einmal in eine Verschrfung des Asylrechts mndete. Unter anderem das Kosovo wurde zu einem sicheren Herkunftsland erklrt, auch fr dort mitunter mit Leib und Leben bedrohte Sinti und Roma.

PEGIDA konnte und kann also zurckgreifen auf eine allgemeine deutsche Stimmungslage, die sich vorher in punktuellen, lokal begrenzten Protesten ausdrckte, zumeist gegen Unterknfte von Asylbewerber*innen. Und so sehr sich hchstoffiziellen Kreise aus Politik und Wirtschaft auch distanzieren mgen, Uneinigkeit besteht nicht wegen des Grundgedankens Menschen an-hand ihrer Verwertbarkeit zu benoten, sondern lediglich darin wie diese Note zustande kommt und wer demnach als Ntzlich angesehen wird fr Deutschland.

PEGIDA, die sogenannte Asyldebatte und der bliche rassistische Mief, bernehmen eine Funk-tion die in der Konkurrenz um die Bewltigung der Krise integral ist: Es muss aussortiert und das Staatsvolk auf seine bergeordnete Aufgabe, den Erhalt der Nation, eingeschworen werden. Und dabei machen alle mit, auch wenn der Weg dahin umstritten ist. Die einen versprechen sich Mehrwert durch Zuwanderung, die anderen sehen ihre Steuergelder veruntreut. Die einen meinen, die neue deutsche Gromacht msse mehr Verantwortung in der Welt bernehmen, die andern leiten daraus ihr Vorrecht als Deutsche auf den produzierten Reichtum ab. Und ber allem schwebt die Einheit des Volkes und die Strke der Nation.

Wir werden es nicht hinnehmen, dass Menschen nur nach ihrer konomischen Ntzlichkeit be-urteilt werden. Menschen, denen das allerntigste abhandengekommen ist, als Problemfall fr die Nation zu betrachten, dass schafft nur eine Gesellschaft die wie die unsere vllig verkom-men und ideologisch zugerichtet ist. Eine Gesellschaft, in der so viel Reichtum existiert und mal eben ein paar Millionen fr bescheuerte Kupferdcher auf Schlssern locker gemacht werden knnen, whrend gleichzeitig Refugees in Containern am Stadtrand untergebracht werden. Dieser widerliche Zynismus kotzt uns an. Diese rassistische Ideologie zieht sich bis in den letzten Winkel, nicht nur unserer Gesellschaft, sondern eben auch in unseren Kpfen. Kein weier, deutscher Mensch ist vllig frei davon. Auch wir nicht. Aber wir setzen dem etwas entgegen: den Austausch mit Menschen die nicht der Mehrheitsgesellschaft angehren. Denn es ist dieser Austausch der durch Kritik und Selbstkritik dazu fhren kann, dass rassistische Stereotype in Denkweisen, Arbeitsweisen, Sprechweisen erkannt werden knnen. Damit wir uns unserem Ide-al einer freien Gesellschaft gleicher Menschen so weit annhern knnen wie dies unter kapita-listischen Umstnden mglich ist. Und letztendlich um darber Spaltungen zu berwinden und den Kapitalismus abzuschaffen.

    
Presse
Neue Asylbewerberwohnung in der Hegelallee PNN 20.8.12
Mehr Arbeit fr Auslnder // Integrationskonferenz will Hrden abbauen PNN 18.8.12
Mietspiegel der Landeshauptstadt // Mieten explodieren in Potsdam MAZ 16.8.12

Termine


rss feed abbonieren








ak_antifa potsdam
hosted by antifa.cc: antifa webhosting